Mega Avalanche 2010

Mein Saisonhighlight für die Rennsaison 2010 fand in der letzten Woche in den französischen Alpen rund um das Bergdorf Alpe d`Huez statt. Auf diese Woche habe ich mich schon seit einem Jahr gefreut; Die Megavalanche ist einfach unbeschreiblich! Man muss dabei gewesen sein um die Anspannung, den Nervenkitzel und die Einzigartigkeit von diesem Event nachvollziehen zu können.

Unser Anreisetag war bereits 8 Tage vor dem eigentlichen Finale, wir wollten die Woche nutzen um Freeriden zu gehen und ein paar unterschiedliche „Mega-Setups“ am Flatout zu testen.

Da wir erst am Sonntag den Lift nutzen konnten, wir aber schon Samstag angereist sind, habe ich mich zu einer Sache entschlossen, die ich schon lange mal machen wollte: Den Schlussanstieg nach Alpe d`Huez mit dem Downhillrad bewältigen. Meine Kumpels haben mich allesamt für bescheuert erklärt und so musste ich die 13,6 km alleine erstrampeln. Zum Glück haben mich mein Mädel und die Kumpels aus dem Auto heraus angefeuert. Den Rekord von Marco Pantani (37 Minuten) habe ich zwar nicht gebrochen, aber mit 1 Stunde 10 Minuten konnte ich doch noch einige Rennradfahrer einsacken und mir deren Respekt verdienen. Immerhin bin ich nahezu die ganze Strecke im Wiege­tritt gefahren. Für den Rest des Samstages habe ich dann auch die Beine hochgelegt…

Da die Qualifikation am Freitag und das Finale erst am Sonntag stattfinden sollte, hatten wir genü­gend Zeit die tollen Trails zu genießen und uns auf das Rennen vorzubereiten.

Erstaunlicherweise konnten wir sogar mit der ganzen Horde von 12! Leuten gemeinsam heizen gehen, ohne das man großartig warten musste oder es etwas zu reparieren gab. Auch über das Radfahren hinaus haben wir das meiste gemeinsam unternommen: Essen (für 12 Leute nicht unbedingt einfach…), WM gucken, in den Whirlpool springen, in die Sauna legen, ….

Am Donnerstag wollten wir noch den Gletscher befahren und am Speedrace teilnehmen. Dabei startet man oberhalb des steilsten Stücks des Gletschers und rast dann auf die Lichtschranke zu. Ich schaffte mit 75 km/h den vierten Platz, Giaco gelangen sogar optimale 77 km/h, damit wurde er Dritter. Leider war der Schnee schon teilweise sehr tief und sulzig, so dass man nicht noch schneller fahren konnte. Gewonnen hat übrigens Vouilloz mit 91 km/h.

Jetzt aber wieder zum eigentlichen Event: Megavalanche! Für den muss man sich in einem von insgesamt 9 Qualifikationsläufen qualifizieren. Das schaffen etwa die ersten 40 von 200 Leuten aus jedem Lauf. Beim Hauptrenenn starten dann die schnellsten 400 Racer gleichzeitig.

Mein Qualilauf war einer der ersten und wegen der guten Platzierung aus dem letzten Jahr konnte ich aus der ersten Reihe starten. Neben Nicholas Vouilloz waren auch noch Cameron Cole und weitere Topleute in meinem Lauf vertreten.

Der Start lief für mich ganz gut, ich lag nach den ersten Serpentinen etwa auf dem 3. oder 4. Platz. In der folgenden Highspeed Passage wollte ich den vor mir liegenden Fahrer überholen, wurde auf gleicher Höhe liegend von einer fetten Wasserrinne ausgehebelt und stützte ziemlich derbe. Wegen der absoluten Anspannung merkte ich jedoch nur wenig von dem Sturz und setzte das Rennen fort. Anscheinend hatte ich mir bei dem Sturz auch etwas am Schaltwerk verbogen, ich konnte nicht mehr in die schweren Gänge schalten. Kurz vor dem Ziel konnte ich noch auf den vor mir fahrende Cameron Cole aufschließen und die Qualifikation in Oz en Oisans auf dem 7. Platz beenden. Cole habe ich in der letzten Kurve, ins Ziel driftend, noch überholt.

Im Ziel angekommen war ich dann ziemlich fertig und fühlte mich, als wenn mich ein Bus überrollt hätte.

Von den anderen Jungs aus unserer Reisegruppe konnten sich Giaco und Rainer ebenfalls für die Megavalanche qualifizieren. Der Rest hätte beim Mega-Amateurrennen bzw. Mega-Challanger starten können. Unsere einzige Frau schlug sich ebenfalls beachtlich: Sie fuhr auf den 22. Rang der Frauen und konnte beim Mega-Ladies-Rennen aus der ersten Reihe starten.

Den Rest des Freitags sowie den Samstag war ich außer Gefecht gesetzt, meine Knochen brauchten Ruhe und ich dümpelte durch den Tag, in der Hoffnung das es besser werden würde. Zu allem Überfluss mussten wir noch das Hotel wechseln und unsere Sachen für die letzte Nacht umlagern. Ein Teil unserer Gruppe reiste auch schon nach Hause weil sie sich nicht fähig fühlten das Finale zu bestreiten…

Nach einer letzten Testfahrt mit meinem geänderten Flatout (Luftdämpfer, etwas steilere Geometrie für besseres pedalieren auf den Tretstücken, Maxxis Ardent Reifen anstatt Continental Kaiser) zweifelte ich, ob ich das Finale bestreiten könnte. Mir tat alles weh, kurz gesagt: Ich hatte Körper.

Sonntag morgen kniff ich dann die Zähne zusammen und zwang mich in die Protektorenjacke. Die aufkommende Anspannung und Vorfreude auf das Rennen verblies alle Schmerzen und negativen Stimmungen. Das Panorama vom Pic Blanc auf 3300m war wieder einmal überwältigend und entschädigte für die Strapazen der letzten Tage.

Im Rennen startete ich aus der dritten Reihe, allerdings ging erstmal gar nichts: Ich gedacht, dass der Schnee gefroren sein würde und ich auf dem Bike starten könnte. Pustekuchen! Fast alle der 400 Starter rannten mit ihren Bikes los und rutschten, kugelten, oder schlitterten den Pic Blanc hinunter. Auch im Steilstück war an fahren nicht zu denken: Der fast kniehohe Schneematsch mach­te die ersten 2 Kilometer zu einer extrem anstrengenden Joggingpartie.

Im weiteren Verlauf des Rennens merkte ich, wieviele Körner mich der Schnee schon gekostet hatte. Aber das gute war ja, dass es den anderen nicht anders erging und sie mit den selben Bedin­gungen zu kämpfen hatten. Das Flatout lief wirklich gut, aber gegen die Endurobikes mit Ihren Teleskopstützen hatte ich auf den Tretstücken schwer zu kämpfen. In den Downhills verpasste ich so manchen Shortcut und konnte so auch nicht viel auf die Endurofahrer gutmachen, zumal diese auch wirklich schnell waren. Ich schaffte auch die letzten Meter ohne Sturz ins Ziel und war überglücklich im Ziel zu sein.

Im Gesamtclassement schaffte ich den 23. Platz Overall, in meiner Altersklasse sogar Rang 7. Damit war ich zwar nicht besser als im Vorjahr (Platz 14), aber unter den Voraussetzungen das Optimum. Außerdem bin ich damit wieder der schnellste Deutsche Fahrer beim Megavalanche.

Meine Teamkollegen Rainer und Giaco waren gut unterwegs, Rainer schaffte den 172. Platz, Giaco hatte leider mit zwei Platten zu kämpfen und fuhr die letzten Kilometer wenig ambitioniert bis ins Ziel.

Bereits am Samstag fuhr Marlen bei den Mega-Ladies und konnte Ihren 22. Platz auch im Rennen verteidigen. Sie war damit auch die schnellste deutsche Frau 2010.

Bei Temperaturen von über 30°C machten wir uns erschöpft, aber überglücklich auf den Heimweg nach Münster.

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One Response to “Mega Avalanche 2010”

  1. Hey Jungs, war ne Hammer Woche mit euch allen!!!

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